Voll im Bau mit Schweizer Know-how

* Die Autorin Karin Huber betreibt das Pressebüro kh-media in Chur.

Paris möchte zur Metropole Nr. 1 in Europa aufsteigen. Hochgerüstet werden deshalb Bildungsstätten und weitere Infrastrukturen wie etwa die Super-Metro. Grossaufträge im Umfang von rund 620 Mio. Euro für das Projekt «Grand Paris Express» hat auch die Schweizer Baufirma Implenia erhalten. Die Baustellenbesucher merken davon nicht viel: Doch die Platzverhältnisse auf den beiden Implenia-Baustellen sind aufgrund der verdichteten städtischen Verhältnisse eng – für das Material und für die Mitarbeitenden. Zudem arbeiten viele verschiedene Baufirmen auf engstem Baustellenraum. «Entsprechend hoch sind die logistischen Herausforderungen», erklären Olivier Böckli, Generaldirektor Implenia France, und Ecoffey Nicolas, CFO Implenia France, vor Ort auf den Baustellen. Kaum vorstellbar deshalb, dass auf einer Baustelle mit einem Schachtdurchmesser von 35 m eine 100 m lange Tunnelbohrmaschine zusammen gebaut werden musste. Die Herrenknecht-Tunnelbohrmaschinen, die ebenfalls im Gotthard Basistunnel zum Einsatz kamen, werden entsprechend den vorgegebenen Tunnelgrössen gebaut. Das Aushubmaterial im Umfang von über einer Mio. m3 wird mit LKWs abtransportiert – bei den Tiefbauarbeiten nach im Voraus vorgenommenen Sondierungen. «Bei den Tunnelbauarbeiten», so Nicolas Ecoffey, «können Sondierungen nur beim Aushub erfolgen. Erst nach entsprechendem Materialtest – ein Test dauert 4-5 Tage – kann alles von der Baustelle evakuiert werden. Das ist schwierig, weil der Platz auf der Baustelle so beschränkt ist». Das Super-Metro Projekt ist mit Investitionen von rund 38 Mrd. Euro für 200 Metro-Kilometer und 68 Bahnhöfe das derzeit grösste Infrastrukturprojekt Europas. Gleichzeitig entstehen neue Stadtteile.

Verkehrsentlastungen, neue Verkehrsanbindungen
Die Baufirma Implenia führt die Bauarbeiten in einer Arbeitsgemeinschaft mit zwei französischen Baufirmen (NGE und Demathieu Bard) sowie Pizzarotti aus Italien aus. Implenia baut zwei Lose. Das Los T2c der Linie 15 südlich von Noisy-Champs beinhaltet einen sieben km langen Tunnel, drei Hauptschächte sowie ein grosses unterirdisches Verzweigungsbauwerk. Die Arbeiten auf der Linie 11 in Rosny-sous-Bois umfassen einen drei km langen Tunnel, vier unterirdische Stationen und drei Lüftungsschächte. Beide Teile des Grand Paris Express werden 2021 fertig gebaut sein. Angelegt wird die Super-Metro kreisförmig, ähnlich wie in London. Das heutige Metro-System wurde sternförmig gebaut, weshalb die Quartiere ungenügend erschlossen sind. Mit der Super-Metro – ein Teil besteht aus sechs fahrerlosen (Alstom) U-Bahn-Linien – werden Verkehrsentlastungen angestrebt. Zudem gibt es bessere Verkehrsanbindungen an die Flughäfen Orly und Charles-de-Gaulle. Gehofft wird überdies, dass dadurch die sozialen Spannungen in den Vorort-Ghettos ein Stück weit aufgelöst werden können. Bereits 2023, also rechtzeitig zu den Olympischen Spielen 2024 und zur Weltausstellung 2025, soll ein grosser Teil der neuen Metro-Linien in Betrieb gehen. Der gesamte Endausbau soll 2035 abgeschlossen sein.

Kabinettstück von Implenia
Der Schritt der Schweizer Bauunternehmung Implenia nach Frankreich kommt einem Kabinettstück gleich. Es gelingt nur wenigen Unternehmungen, im stark protektionistischen Frankreich erfolgreich Fuss zu fassen. Kommt dazu, dass man sich bei einem solchen Schritt durch einen Dschungel von Vorschriften, Regelungen und Gesetzen kämpfen muss. Auch die Bereitstellung der personellen Ressourcen war nicht einfach und unterliegt strengen Bestimmungen. Die Implenia France SA, verglichen mit den grössten Bauriesen in Frankreich ein verhältnismässig kleiner Player, hat sich bereits gut etabliert. Implenia hat nicht nur Lose beim Grand Paris Express erhalten, sondern darf sich auch bei weiteren Projekten wie der U-Bahn Lyon oder dem französischen Teil des neuen Teilchenbeschleunigers des Cern mitwirken. Die Firma Implenia war anfangs in Frankreich kaum bekannt. Zumindest bis sie erfuhren, dass die Firma zum Beispiel auch am Weltrekordprojekt Gotthard eine massgebende Rolle gespielt hat. In der Zwischenzeit konnte die Firma ihre jahrzehntelange Kompetenz im Tunnelbau beim Grand Paris Express erstmals auch in Frankreich unter Beweis stellen. Die Chancen für das grösste Bau- und Baudienstleistungsunternehmen der Schweiz für weitere Aufträge in Frankreich stehen gut.

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