Neubau einer Kanalschleuse

Autorin: Claudia El Ahwany

In der Kleinstadt Otterndorf (DE) wird derzeit für Küstenschutz, Entwässerung und Schifffahrt die alte Hadelner Kanalschleuse durch ein neues, moderneres und grösseres Bauwerk ersetzt. Zur Bewältigung dieser anspruchsvollen und gegenwärtig grössten Küstenschutzbaumassnahme des Bundeslandes Niedersachsen haben sich die Bauunternehmen Ludwig Freytag und die Tiefbau GmbH Unterweser zur ARGE Hadelner Kanalschleuse zusammengeschlossen. Für die Realisierung der Betonbauteile werden sie vom Schalungshersteller NOE-Schaltechnik unterstützt.

Nachdem das Land Niedersachsen entschieden hatte, die in die Jahre gekommene alte Kanalschleuse bei Otterndorf aus dem Jahr 1854 zu ersetzen, wurde die Betriebsstelle Stade vom NLWKN, dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, mit der Umsetzung dieses Grossprojektes beauftragt. Damit soll die Entwässerung des Hadelner-Kanals verbessert, ein tidenunabhängiges Schleusen ermöglicht und die aktuelle Anforderung an die Deichhöhe im Sinne des Küstenschutzes erreicht werden. Nach einer geplanten Bauzeit von vier Jahren werden in Zukunft auch grössere Fahrzeuge mit über 100 Bruttoregistertonnen die neue Schleuse mit ihren drei Toren passieren können. Neben der schieren Grösse der Baustelle sind die starken Witterungseinflüsse der Küstenregion und die Gezeiten besondere Rahmenbedingungen des Projekts. Die grösste Herausforderung ist jedoch, dass auch während der Bauphase keine Schwachstelle im Deichsystem entstehen darf. Damit muss die Logistik auf einen Bauablauf abgestimmt werden, der Arbeiten auf der gesamten Baustelle nur während des Sommers zulässt, denn während der Winterstürme kann nur in den innen liegenden Bereichen gearbeitet werden.

Grundlegende Arbeiten
Zuerst wurden die wesentlichen Teile des Aussenbereichs, des späteren Einlaufbereichs der neuen Schleuse und der bauzeitliche Küstenschutz errichtet. Zudem eine Entwässerungsanlage, die schon während der Bauzeit den Abfluss des Hadelner Kanals sichert. Anschliessend ging es an die Herstellung der Schleusenkammer. Die dafür erforderliche gigantische Baugrube wurde mit einem Spundwandkasten umfangen und während des Bodenaushubs mit Aussteifungen gesichert. Dabei stiess man auf Holzspundwände des 165 Jahre alten Vorgängerbaus, die so nicht in den historischen Bestandsunterlagen verzeichnet waren. Um die Last des Objektes und des Wassers gleichmässig ins Erdreich abzutragen, wurden 163 stählerne Gründungspfähle mit einer Länge von rund 28,5 m in den Boden gebohrt und anschliessend mit Zementmörtel verpresst.

Grosse Schalung, geeignet für Seeluft
Vor allem die NOEtop-XXL-Schalung mit Elementen über 14 m² Schalfläche und geringem Spannstellenanteil ist aus Sicht des ausführenden Unternehmens besonders zur Realisierung der Hadelner Kanalschleuse mit ihren bis zu 12 m hohen Wänden geeignet. Dieses Stahlrahmensystem der NOEtop-Familie verbindet mit seiner integrierten Gurtung die Vorteile einer standardisierten Rahmenschalung mit denen einer flexiblen Trägerschalung. Die feuerverzinkten Schalungselemente sind resistent gegen Korrosion und beim Bauen unter Seeluftbedingungen ein grosser Vorteil. Ebenso verstärken Gussteile die Ecken jeder Tafel und machen das System damit noch robuster. Die grösste Tafel des umfangreichen Sortiments hat die Masse 5,30 x 2,65 m, ermöglicht ein äusserst effizientes Arbeiten, kommt dabei mit nur acht Spannstellen aus und ist somit zur Realisierung dieses Schleusenbauwerks von hoher Bedeutung.

Gehobene Anforderungen
Beim Errichten der bis zu 12 m hohen Wände mussten die Verantwortlichen besonders auf die Hydratationswärme achten, um Zwangsspannungen und daraus entstehende Risse zu verhindern. Aspekte wie Frost, Tausalz, Meerwasser und ein wechselnder Wasserstand müssen bei der Betonrezeptur und beim Einbau des Betons berücksichtigt werden. Ein Schaltakt dauert hier nicht zwei bis drei Tage, sondern kann sich über mehrere Wochen hinziehen.

Bei alldem wird die Arbeitssicherheit von den ARGE-Partnern Ludwig Freytag und der Tiefbau Unterweser besonders grossgeschrieben. Die selbstsichernde Laufgerüst-Konsole von NOE, die auf jedem Höhenniveau an jedem Querprofil der NOEtop-Schalung eingehängt werden kann, egal ob dieses horizontal oder vertikal verläuft, war eine besondere Erleichterung. Durch die mit Durchstieg ausgestatteten Gerüstböden kann das Personal einfach, schnell und sicher zwischen den Gerüstebenen wechseln. Bis zur Fertigstellung der Hadelner Schleuse im April 2022 haben die Mitarbeiter der ARGE noch einiges zu tun. So müssen die Betriebsgebäude erstellt, die Schleusentore eingebaut und eine Brücke über die Schleuse errichtet werden. Doch die Mühe unter den besonderen Rahmenbedingungen lohnt sich, denn anschliessend wird das Hinterland besser vor Überflutung geschützt sein und der Kanal kann auch von grösseren Schiffen befahren werden. Somit ist das neue Bauwerk für die gesamte Region ein echter Gewinn, eine echte Investition in die Zukunft.

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